Sara Schurmann – Queen of Cancel Culture

Cancel Culture ist ein relativ neues Wort. Es meint, dass man denjenigen, dessen Meinung einem nicht passt, jegliche Möglichkeit verwehren möchte, diese andere Meinung kundzutun.

Man kann es auf verschiedenen Seiten des politischen Spektrums sehen. Besonders ausgeprägt ist es aber im linken Bereich. Äußert sich Dieter Nuhr in seiner Sendung, dann gibt es allen Ernstes Menschen, die sich bei seinem Sender melden und die Absetzung der Sendung fordern, weil ihnen das Gesagte nicht passt. Auf der anderen politischen Seite passiert es aber auch, dass beim ZDF wegen Aussagen des Moderators Jan Böhmermann protestiert wird. Rechts und links nehmen sich hier also wenig, wenngleich gefühlt linke Twitterblasen mehr zum Cancel-Angriff blasen als die rechten Pendants.

Die Journalistin Sara Schurmann, die man dem linken Lager zuordnen kann, hat sich offenbar auch voll und ganz auf das Canceln versteift.

Stein des Anstoßes war die Einladung des Welt-Journalisten Axel Bojanowski zum WDR Presseclub. Schurmann war selber kürzlich Gast in der Sendung und konnte ihre Standpunkte darlegen, wir berichteten. Axel Bojanowski soll das nicht dürfen, findet Sara Schurmann. Sie stellt den Wissenschafts-Journalisten allen Ernstes in die Klimawandelleugner-Ecke. Dabei hat Bojanowksi einen langen Track-Record in Sachen Berichte über die Erwärmung der Erdatmosphäre, immer wieder betont er, dass der Mensch dafür die Verantwortung trägt. Nützt ihm nur leider alles nichts. Schublade auf und ab dafür.

(Abbildung Screenshot Twitter)

Nun könnte man glauben, dass Schurmann Bojanowski anhand von Zitaten aus seinen Artikeln konkret kritisiert. Aber, Schurmann hievt das Ganze eher auf eine Meta-Ebene und beruft alle möglichen Personen in den Zeugenstand. Dazu gehören Wissenschaftler wie Stefan Rahmstorf, für den Bojanowksi offenbar ein rotes Tuch ist, er bekämpft den Journalisten seit Jahren auf Twitter, aber, es gehören auch die Nicht-Wissenschaftler wie der Volksverpetzer dazu.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Über deren Plot haben wir hier schon mal berichtet. Bojanowksi tat das einzig Richtige, er stellte die vielen falschen Behauptungen der vermeintlichen Aufklärer in einem längeren Artikel richtig. Seine erste Einschätzung des Volksverpetzer-Stücks war seinerzeit, dass die Autoren möglicherweise die Abstracts der angesprochenen Studien gelesen haben könnten, aber keineswegs die Studien selbst. Ob die Spezies vom Volksverpetzer die Abstracts auch verstanden haben, das hat Bojanowski in einer ersten Reaktion bereits stark bezweifelt. Seine längere Replik gibt ihm Recht. 12 dicke Volksverpetzer-Fehler listet er in seiner Antwort auf. Trotzdem haben sie die Rolle eines Kronzeugen bei Schurmann. Bojanowski hat aber noch andere Feinde im Internet. Einer von denen ist Michael ”Hockeystick” Mann. Dessen Fotomontage von Mann spricht für den Stand des Diskurses in Sachen Klima.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Es ist schon extrem perfide, wie Schurmann, die übrigen im Gegensatz zu Bojanowski keinen wissenschaftlichen Hintergrund hat, hier vorgeht. Mit einem Schwarzen Gürtel im Googlen ausgestattet, klaubt sie also Angriffe Dritter gegen Bojanowski zusammen, sie selber hat aber nichts konkret zu kritisieren. Dritte werden hier also vorgeschickt, warum nur? Weil sie selber keine Argumente hat? Auf Twitter bedient Schurmann nun ihre Blase und trommelt gegen die Einladung von Bojanowksi beim Presseclub und übt so indirekt Druck auf den WDR aus, der die Sendung ausstrahlt.

Das funktioniert offenbar auch in Teilen. Unter dem Posting des Presseclubs finden sich zahlreiche Kommentare, die sich von Schurmann haben ”inspirieren” lassen und die Third-Party-Vorwürfe wiederholen, teilweise in übelster Wortwahl. Einige geht es offenbar nur darum, den Hass auf den Springer-Verlag loszuwerden, bei dem Bojanowski angestellt ist. Der Presseclub sah sich genötigt noch einmal klarzustellen, dass er die Hoheit über die Gästewahl hat. Zudem wurde noch einmal an die Vita des Gastes erinnert. Es wäre eigentlich ganz einfach, sich ein Bild des Journalisten Bojanowksi zu machen. Er hat bei Twitter die Folien eines Vortrags veröffentlicht. Kurz zusammengefasst ist das sein Klimaweltbild: Es gibt in der Klimadiskussion Risiko-Verschweiger und Unsicherheits-Verschweiger.

Wenn Bojanowski nun also auf Unsicherheiten im neuen IPCC-Zustandsbericht hinweist, gleichzeitig aber auf die Risiken der sicheren Erkenntnisse, dann macht ihn das in den Augen der Klima-Inquisition schuldig. Sie wollen ihn auf dem medialen Scheiterhaufen brennen sehen bis nur noch Asche übriggeblieben ist.

Dabei ist der Welt-Journalist ganz und gar nicht allein mit seiner Meinung. Wir haben hier ja schon an die Artikel von Roger Pielke Jr. hingewiesen, der sich z. B. damit beschäftigte, wie häufig im neuesten IPCC-Zustandsbericht vom höchst unwahrscheinlichen Szenario ausgegangen wird, bei dem in den nächsten 80 Jahren sämtliche bekannten Kohle, Gas und Ölvorkommen verbrannt werden müssten. Seine Anleitungen zum Lesen der IPCC-Berichte sind sehr aufschlussreich. Wenn es nach den Klimabewegten geht, dann dürfte Pielke Jr. wahrscheinlich direkt neben Bojanowski brennen.

(Abbildung: Screenshot ARD Medithek)

Die Sendung selbst fängt mit einem kleinen Paukenschlag an, denn es wird tatsächlich die gesamte Welt, ganz besonders die USA, die EU und China zum Handeln aufgefordert. ”Aber, die Chinesen…” ist ein geflügeltes Wort bei Klimabewegten. Nichts soll von der Notwendigkeit ablenken, dass Deutschland allein das Weltklima retten muss, schon gar nicht China.

Immerhin, Alina Schadwinkel vom Spektrum der Wissenschaft stellte fest, dass die berühmten Kipppunkte zwar erkannt sind, es aber nach wie vor nicht klar ist, wann diese genau erreicht sind. Die Zeit-Journalistin Petra Pinzler gab Bojanowksi Recht, der auf die Risiken und Unsicherheiten im Report hinwies. Sie sagte außerdem, dass eine 1,5 Grad wärmere Welt nicht den Untergang der Menschheit bedeutet, allerdings wird sich die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Wetterentwicklungen mit jedem Zentelgrad erhöhen. Bernhard Pötter von der TAZ hielt eine Halbierung der Emissionen für unwahrscheinlich. Er warb analog den militärischen Abrüstungsverhandlungen für ein Pendant in Sachen CO2.

Schadwinkel wies daraufhin, dass wir zukünftig Verzicht üben müssen, um bestimmte Ziele zu erreichen, Stichworte Flugreise, Fleischkonsum und Verhalten. Bojanowski brachte die Zielkonflikte billige Energie und gleichzeitige Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern ins Spiel. Die Musik in Sachen CO2 Emissionen wird seiner Meinung nach zukünftig in Asien und Afrika spielen. Da rollte Pinzler zwar mit den Augen, weil wir Deutschen einen sehr hohen pro Kopf Ausstoß hätten, den dürfe man doch bitte nicht mit Nigeria vergleichen. Nein, zur Wahrheit gehört aber auch, dass es der Atmosphäre egal ist, wer das CO2 erzeugt.

Thema war auch die Anpassung und Ausrichtung auf das sich wandelnde Klima. Fridays For Rückhaltebecken war eine Idee von Bojanowski, er betonte die Wichtigkeit von Maßnahmen gegen Extremwetterereignisse statt sich komplett auf die langfristige CO2 Vermeidung zu verlassen. Die Politik mache es sich einfach, wie im Falle Ahrtal nur auf dem Klimawandel zu zeigen und gleichzeitig einen Katastrophenschutz wie ein Entwicklungsland zu praktizieren.

War Bojanowski nun im Presseclub der befürchtete Anti-Christ, für den ihn seine Kollegin Schurmann hält? Keineswegs, keiner der drei anwesenden Kollegen widersprach ihm, es scheint nur um Nuancen zu gehen, aber nicht um Grundsätzlichkeit. Bojanowski war sogar der Einzige in der Runde, der eine Prognose von weiteren 2-3 Grad von heute an gerechnet bis zum Ende des Jahrhunderts wagte. Rechnet so jemand, der ein sich wandelndes Klima leugnet? Weitere Infos zu Sendung, die noch bis zum 15.08.2022 abrufbar ist, gibt es hier.

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