Der Europäische Gerichtshof stoppt Klimaklagen:

„Per Gerichtsentscheid wollten Familien aus EU-Staaten, Kenia und Fidschi die EU zu mehr Klimaschutz verpflichten. Der Europäische Gerichtshof wies die Klage ab – die Familien seien zur Klage nicht berechtigt.“

Weiterlesen bei der Tagesschau.

Derweil entdeckt Greta Thunberg, dass es China gibt. Erdkundeunterricht am Freitag war also keine gute Idee ihrer Schule. Das gilt auch für Mathematik. Sie twittert:

„China continues to build coal-fired power plants at a rate that outpaces the rest of the world combined. In 2020, China brought 38.4 gigawatts of new coal-fired power into operation, more than three times what was brought on line everywhere else.“

Die Aktivistin bezieht sich dabei auf diesen Artikel der Universität Yale. Und vielleicht dämmert es ihr jetzt, dass man in Europa streiken kann bis der Arzt kommt, das aber wenig an der Situation insgesamt ändert. Europa wird niemals den Zubau Chinas kompensieren können in Sachen Kohlekraftwerke, bekommt hier aber die Prügel ab. Gibt es Fridays For Future eigentlich auch in China?

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Eine echte Leseempfehlung ist ein Artikel auf Politico zum Thema Holzverbrennen auch bekannt als Biomasse-Energie. Der Artikel ist zugegeben sehr lang, es lohnt sich aber ihn komplett zu lesen. Im Zweifel raten wir zu einer Übersetzung durch Deepl.com, eine der besten Übersetzer im Internet. Die Grüne Energie, die möglicherweise den Planeten runiniert, so lautet die Überschrift und es geht gleich los mit der Milliarden-Dollar-Frage:

“Here’s a multibillion-dollar question that could help determine the fate of the global climate: If a tree falls in a forest—and then it’s driven to a mill, where it’s chopped and chipped and compressed into wood pellets, which are then driven to a port and shipped across the ocean to be burned for electricity in European power plants—does it warm the planet?”

Die Antworten auf die Frage sind ausgesprochen leerreich. Die Entwicklung ganz besonders in den USA hat bereits unter Präsident Obama angefangen und hat sich auch unter Trump nicht geändert. Mit dem neuen Präsidenten Biden sind teilweise dieselben Personen im Amt, die schon früher die Waldvernichtung massiv gefördert haben.

“In February, more than 500 scientists and economists wrote to President Joe Biden and other leaders to warn that converting wood into power is a carbon disaster, a forest destroyer and an absurdly inefficient way to generate energy. Supplying just 2 percent more global energy from biomass, they estimated, would require doubling total global wood harvests. The letter made it clear that any governments that encourage biomass electricity will be ravaging biodiverse forests and damaging humanity’s chances to avert the worst climate catastrophes. “Trees are more valuable alive than dead,” the letter said.”

Wie schon so oft in diesem Blog empfehlen wir den Film Burned, der das Dilemma in den USA eindrücklich beschreibt. Durch die Exporte nach Europa betrifft das Thema halt nicht nur die USA.

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Die deutsche Automobil-Branche informiert – oder auch: warum es für eine Musikband vielleicht nicht so klug ist, auf Elektroautos zu setzen. Das Satiremagazin Extra 3 nimmt Elektroautos in einem Video auf das Korn. Zu sehen ist der kurze Clip auf YouTube.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Pressemitteilung der Uni Bremen vom 17.2.2021:

Klimawandel in der Arktis: Vom Treibhaus zum Eishaus

Der Arktische Ozean spielt eine Schlüsselrolle für den globalen Klimawandel. Eine internationale Expedition, die das European Consortium for Ocean Research Drilling (ECORD) für August 2022 plant, hat genau diese Region zum Ziel. An der Expedition ist auch die Universität Bremen beteiligt.

„ArcOP“ steht für „Arctic Ocean Paleoceanography“ und ist der Titel der Expedition, die im Rahmen des International Ocean Discovery Program (IODP) stattfindet. Der Arktische Ozean ist eine Schlüsselregion für das Klima unseres Planeten und ist einzigartig im Vergleich zu den anderen Ozeanen der Erde. Aufgrund komplexer Rückkopplungsprozesse, die auch als „Arktische Verstärkung“ bezeichnet werden, trägt dieser Ozean zum Klimawandel bei und ist gleichzeitig eine der Regionen, die am stärksten von der globalen Erwärmung betroffen sind.Trotz seiner Bedeutung ist der Arktische Ozean die letzte große Region auf der Erde, in der die langfristige Klimageschichte nur unzureichend bekannt ist. Wichtige Fortschritte im Verständnis wurden 2004 mit der erfolgreichen „Arctic Coring Expedition – ACEX“ (IODP Expedition 302) erzielt, die als Ausgangspunkt für eine neue Ära in der Erforschung des arktischen Klimas gilt. Organisiert wurde die Expedition im Rahmen des internationalen Bohrprogramms IODP (International Ocean Discovery Program) vom europäischen Konsortium ECORD (European Consortium for Ocean Research Drilling).

Rekonstruktion von 50 Millionen Jahren Klimageschichte

Die ArcOP-Expedition ist ein weiterer Schritt, um die Geschichte der Klimaveränderungen im zentralen Arktischen Ozean während der letzten 50 Millionen Jahre zu rekonstruieren und damit unser Verständnis für die Mechanismen, die das Klima unseres Planeten bestimmen, zu verbessern. Insbesondere wird ArcOP ein kritisches Zeitintervall untersuchen, das eine Periode großer Klimaveränderungen abdeckt, die zum Übergang von einer „Treibhaus“-Welt zu einer „Eishaus“-Welt während der geologischen Periode des Känozoikums führte.

Das internationale Team von Forschenden wird von Professor Ruediger Stein (MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen) und Professorin Kristen St. John (Department of Geology and Environmental Science, James Madison University, USA) geleitet. Kooperationspartner ist das Swedish Polar Research Secretariat (SPRS).

Hauptziel ist es, während der siebenwöchigen Expedition etwa 900 Meter marine Sedimentkerne an zwei Stellen entlang des südlichen Lomonossow-Rückens zu sammeln. Die Sedimente werden dann an Land vom Forschungsteam beprobt und analysiert, um all die klimatischen Geheimnisse, die in diesen Sedimenten stecken, zu lüften.

„Wir benötigen eine vollständige känozoische Klimaaufzeichnung für die Arktis, um die Sensitivität des Klimasystems der Erde auf Veränderungen verschiedener Antriebsparameter, zum Beispiel CO2, zu beurteilen. Die genaue Kenntnis vergangener Klimaveränderungen unter Bedingungen, die sich stark vom heutigen Klima unterscheiden, sind unerlässlich, um natürliche Antriebe von menschenversursachten Einflüssen zu entkoppeln. Dadurch können wir die Zuverlässigkeit von Vorhersagen über zukünftige Klimaveränderungen erhöhen“, sagt Co-Fahrtleiter Professor Ruediger Stein.

„Wir gehen davon aus, dass die während der ArcOP-Expedition geborgenen Sedimentarchive entscheidende Puzzlestücke liefern werden, die es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen, die Triebkräfte, Rückkopplungen, Folgen und unterschiedlichen Raten des känozoischen Klimawandels sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene besser zu verstehen“, ergänzt Co-Fahrtleiterin Professorin Kristen St. John.

Gemeinsame internationale Initiative

Die ArcOP-Expedition wird im August und September 2022 vom ECORD Science Operator (ESO) in Zusammenarbeit mit SPRS und Arctic Marine Solutions (AMS) realisiert.

ArcOP ist eine einzigartige und komplexe Expedition. Mit einer Flotte, bestehend aus einem wissenschaftlichen Bohrschiff und zwei eisbrechenden Schiffen, soll in dieser permanent eisbedeckten Region der Grund des Arktischen Ozeans erbohrt werden. Ein solches Modell wurde erstmals 2004 bei der ACEX-Expedition eingesetzt. Das ArcOP-Bohrvorhaben und die Auswahl der ArcOP-Bohrlokationen basieren auf Vorerkundungsexpeditionen, die federführend vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven mit dem Forschungseisbrecher POLARSTERN in den Jahren 2008, 2014 und 2018 durchgeführt wurden.

„Wissenschaftliche Schätze, die für das Verständnis der Erdsystemprozesse unerlässlich sind, liegen unter dem Ozeanboden vergraben und können nur durch Bohrungen in den Ozeanboden erschlossen werden. Viele dieser Archive, die Fenster in die Vergangenheit öffnen, konnten bisher nicht geborgen werden, vor allem aufgrund technologischer Einschränkungen. In den vergangenen 16 Jahren ist ECORD dorthin gegangen, wo noch kein wissenschaftliches Bohrprojekt zuvor war und hat systematisch die Grenzen der langjährigen und sehr erfolgreichen internationalen wissenschaftlichen Ozeanbohrprogramme erweitert. Die ArcOP-Expedition stellt ein einzigartiges Modell der Zusammenarbeit dar, das jetzt benötigt wird, um ehrgeizige und hochkarätige wissenschaftliche Projekte zu realisieren“, verdeutlicht Dr. Gilbert Camoin, Direktor der ECORDManaging Agency.

„Die schwedische Polarforschung hat in den vergangenen Jahrzehnten eine internationale Führungsrolle eingenommen, und das Swedish Polar Research Secretariat verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Organisation komplexer Feldarbeit. Wir freuen uns über das Vertrauen, gemeinsam mit ECORD eine Expedition mit so großer wissenschaftlicher Bedeutung für das Verständnis des Klimawandels zu koordinieren“, sagt Katarina Gårdfeldt, Generaldirektorin Swedish Polar Research Secretariat.

„Arctic Marine Solutions AB ist stolz darauf, als Betriebspartner für diese wissenschaftliche Expedition ausgewählt worden zu sein und die Verantwortung für die Kernbohrung und das Flotten-/Eismanagement zu übernehmen. Dieses bahnbrechende Projekt wird die Anwendung von Best Practices bei polaren Operationen und die Bedeutung eines kollaborativen Ansatzes für die maritime Sicherheit hervorheben“, sagt Åke Rohlén, Vorsitzender von Arctic Marine Solutions.

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Und hier noch eine Pressemitteilung des MCC aus der Rubrik „kurios“:

MCC: 140.000 Quadratkilometer Solarzellen für CO₂-freien Flugverkehr im Jahr 2050

Der Flugverkehr ist ein zunehmendes Problem für das Klima – mit 680 Prozent Wachstum von 1960 bis 2018, aktuell 3 Prozent der globalen CO₂-Emissionen und schädlichen zusätzlichen Effekten durch die Kondensstreifen. Wie man zumindest den CO₂-Austoß bis 2050 auf Null bringen könnte, beschreibt jetzt für den Passagier-Bereich als weitaus größten Teil des Flugverkehrs eine Studie unter Mitwirkung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change).

Das Forschungsteam setzt auf eine linear auf 100 Prozent steigende gesetzliche Einspeisequote für synthetische Treibstoffe. Diese wird kombiniert mit einer CO₂-Bepreisung, die auch die Effekte der Kondensstreifen berücksichtigt und im Ergebnis sukzessive von 100 auf 800 Euro je Tonne CO₂ steigt. Die Studie wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht.

Derzeit wird der Flugverkehr kaum klimapolitisch reguliert: der nationale meist gar nicht, der innereuropäische nur durch den niedrigen CO₂-Preis im EU-Emissionshandel und der interkontinentale durch ein zahmes Maßnahmenpaket unter der Regie der Zivilluftfahrtorganisation ICAO. Nach deren Hochrechnung steigt der jährliche weltweite CO₂-Ausstoß durch Passagierflüge, sofern 2022 die Corona-Krise überwunden ist, bis 2050 auf rund 1800 Millionen Tonnen – das ist zweieinhalbmal so viel wie noch 2018. „In unserem Szenario dagegen wird der Antrieb auf nicht-biogene, strombasierte Treibstoffe umgestellt“, erklärt Felix Creutzig, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport und Co-Autor der Studie. „Bei rund 150 Prozent höheren Treibstoff- und knapp 40 Prozent höheren Gesamtkosten würde dann im Jahr 2050 trotzdem noch deutlich mehr geflogen als 2018. Allerdings: Bis dahin müsste die Branche gewaltige Investitionen für Treibstoffproduktion und Energieversorgung auf den Weg bringen.“

Wie groß dieser Investitionsbedarf ist, schätzt das Forschungsteam mit Hilfe eines Rechenmodells ab, und zwar für unterschiedliche Varianten des Nachfrage-Verhaltens. Als recht realistisch sieht es zum Beispiel eine Preiselastizität von 1 an (10 Prozent Preiserhöhung drücken für sich genommen, andere Einflüsse ausgeblendet, die Nachfrage um 10 Prozent). Dann käme die globale Luftfahrt im Jahr 2050 auf 15,9 Billionen Passagierkilometer – das wäre etwa halb so viel wie im Business-as-usual-Szenario, aber doppelt so viel wie noch im Jahr 2018. Der Atmosphäre würden dann im Zeitraum 2022 bis 2050 insgesamt Emissionen von 26,5 Gigatonnen CO₂ erspart. Der Effekt wäre geringer, wenn die Politik lediglich auf die Einspeisequote und nicht ergänzend auf die CO₂-Bepreisung setzt; und sie wäre größer, wenn die Corona-Delle erst später als 2022 überwunden würde. 

Für die 15,9 Billionen Passagierkilometer in der von der Studie fokussierten Variante würden rund 320 Millionen Tonnen synthetische Treibstoffe benötigt. Die derzeit kostengünstigste und platzsparendste Möglichkeit, den dafür nötigen Strom CO2-frei zu produzieren, wären Solarkraftwerke. Platzbedarf nach aktueller Technik: rund 140.000 Quadratkilometer, das entspricht rund 40 Prozent der Fläche von Deutschland.

Die Standorte für die Solarzellen und damit auch für die Produktion des künftigen Flugzeug-Sprits könnten laut der Studie am besten in Wüstenregionen liegen. „Das wirft natürlich Fragen nach einem sicheren Transport auf, und überhaupt nach den sozialen und politischen Folgen solcher Großinvestitionen“, betont Stefan Gössling, Professor an der Universität Kalmar in Schweden und Leitautor der Studie. „Aber für CO₂-freien Flugverkehr im Jahr 2050 muss man jetzt damit beginnen, die Produktion synthetischer Treibstoffe in großem Stil zu starten und sukzessive hochzufahren. Deshalb ist die Corona-Krise ein Zeitfenster zum Umsteuern – hin auf einen moderateren, aber einigermaßen nachhaltigen Wachstumspfad.“

Paper: Gössling, S., Humpe, A., Fichert, F., Creutzig, F., 2021, COVID-19 and pathways to low-carbon air transport until 2050, Environmental Research Letters, https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/abe90b

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Und abschließend hier noch einige schöne Schneebilder, die uns erreichten:

Der Beitrag Mercator Research Institute: 140.000 Quadratkilometer Solarzellen für CO₂-freien Flugverkehr im Jahr 2050 erschien zuerst auf Kalte Sonne.

via Kalte Sonne

 von Kalte Sonne