Von Heinz Dähling

Über Jahrtausende beschränkte sich die Nutzung von Energiequellen jenseits der Muskelkraft auf mechanische Energie aus strömender Luft und fließendem Wasser und chemische Energie aus nachwachsenden Quellen. Die Begrenztheit derer begrenzte dann auch die menschliche  Population, die über Jahrtausende kaum über eine Milliarde hinausging. Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelten rund 1,5 Milliarden Bewohner die Erde. Erst mit der Nutzbarmachung fossiler Energiequellen, mit technischem  Fortschritt in den Industrieländern und der damit verbundenen Steigerung der Nahrungsmittelproduktion stieg die Weltbevölkerung sprunghaft an, bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf 2,5 Milliarden. Das ist allerdings noch moderat im Vergleich zu der darauf folgenden Verdreifachung auf heute 7,5 Milliarden, die sich so gut wie ausschließlich in den Entwicklungsländern vollzogen hat. Und alle Prognosen gehen davon aus, dass diese Entwicklung fortschreitet. Angesichts dessen wieder zu mechanischen und nachwachsenden Energiequellen zurückzukehren  und das als „nachhaltig“ zu bezeichnen, ist mehr als befremdlich.

Ein paar grundsätzliche Zahlen zur Einordnung verschiedener Energiearten sollten zur Einsicht  beitragen, dass der Weg zurück nicht mehr existiert. Die grundlegende Erkenntnis, dass chemische Energie von höherer Effizienz ist als mechanische, sollte der Menschheit spätestens bei der Erfindung des Schießpulvers bewusst geworden sein. Die mechanische Energie, um 1 Kg Gewicht um einen Meter zu heben,  beträgt 0,00000272 KWh. In einem Kg Heizöl steckt die Verbrennungswärme von rund 10 KWh und aus 1 Kg Uran 235 ist eine thermische Energiemenge von 2,3*10^7 KWh zu gewinnen.

Ein Braunkohlentagebau (Hambach) fördert täglich 110.000 Tonnen Kohle, entsprechend 660.000 MWh. Gut ein Drittel des Heizwerts würde bei Verstromung in Elektrizität umgewandelt. Ein durchschnittliches 3 MW Windrad bringt es bei optimistischen 20% seiner Nennleistung auf einen Tagesertrag von 15 MWh. Somit wären rund 15.000 Windmühlen erforderlich, um es dem Tagebau gleich zu tun, die Hälfte aller in Deutschland installierten Windkraftanlagen. Der Tagebau verunstaltet einige zig Quadratkilometer, die Windmühlen die gesamte Republik mit Stahl und Beton, die nach wenigen Jahrzehnten wieder entsorgt werden müssen, von den Problemen der schwankenden Verfügbarkeit der Windenergie ganz zu schweigen. Der Heizwert der im Tagebau Hambach geförderten Kohle hat an den weltweit geförderten fossilen Brennstoffen einen Anteil von 0,015 %. Wirklich klimarelevant? Nordstream 2 würde jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas ins Land bringen, mit einem Heizwert von 550 Millionen MWh, mehr als das Doppelte des Tagebaus, der es auf eine Jahresleitung von rund 240 Millionen MWh bringt.

Unsere Politik rühmt sich, dass wir bereits mehr als ein Drittel der Elektrizität „regenerativ“ erzeugen.  Allerdings hat die Elektrizität am Gesamtprimärenergiebedarf Deutschlands einen Anteil von rund 20 %. 30 % entfallen auf Treibstoffe für Mobilität und 50 % auf Wärmeerzeugung für Heizung und industrielle Prozesswärme. Windkraftanlagen halten unter den Regenerativen grob einen Anteil von einem Drittel neben PV und Biomasse. Folglich liefert die Windenergie ein Drittel von einem Drittel von 20 %, das sind rund 2,5 % unseres Primärenergiebedarfs, in Anbetracht des enormen Aufwandes so gut wie nichts und dieses Wenige bringt dann zu allem Überfluss durch seine Unstetigkeit die Stromnetze in arge Bedrängnis.

Wenn man dann künftig mit Wärmepumpen heizen und mit Elektrofahrzeugen mobil bleiben soll (es sei angenommen, dass wir bei Erhalt unseres Lebensstandards den gleichen Gesamtenergiebedarf haben), müsste man die Stromerzeugung gegenüber heute rund vervierfachen. Mit der Abschaltung von Braunkohle- und Kernkraftwerken gehen aber zunächst rund 40 % der Stromerzeugung verloren. Um den künftigen Mehrbedarf über den Zubau von Windrädern zu gewährleisten müsste man ihre Zahl von heute 30.000 auf über 800.000 aufstocken. Das kann und möchte man sich nicht vorstellen. Die aerodynamisch gestylten Flügel der Windmühlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine mechanische Form der Energiegewinnung handelt.

Nun würden die globalen Kohlevorräte auch bei energetischer Nutzung durchaus noch für  Jahrhunderte reichen, bei rein stofflicher Nutzung, als Kohlenstoffquelle der chemischen Industrie, weit über tausend Jahre. Aber angesichts des steigenden Energiehungers einer galoppierend wachsenden Weltbevölkerung kann man nicht fortfahren den Globus auf der Suche nach Kohle zu durchwühlen. Man sollte die wertvollen Kohlenstoffquellen, die heute zu über 90% verheizt werden, besser für die stoffliche Nutzung bewahren. Die Verfügbarkeit von Erdöl, derzeit Grundlage jeglicher Mobilität und damit existenziell für die globale Wirtschaft, wird allerdings nach heutiger Kenntnis in wenigen Jahrzehnten ihr Maximum überschreiten. Der  Umstieg in andere Technologien wäre dringend erforderlich, da neue Infrastrukturen nicht in wenigen Jahren zu realisieren sind. Das „Nachwachsende“ reicht global kaum zur Ernährung und kann keinen ernst zu nehmenden Beitrag leisten, weder energetisch noch stofflich. Wie schon aus der Rangfolge der Energiedichten zu ersehen, ist die Weiterentwicklung der Kernenergie der einzig sinnvolle Weg, die Energieversorgung der Menschheit langfristig zu sichern, ohne die Natur zu überfordern.

Windmühlen und Biotreibstoffe sind Irrläufer, hochgradig subventioniert durch konventionelle  Energiequellen (wo kommen denn Beton und Stahl her? Kommt der Anbau von Energiepflanzen etwa ohne  Diesel aus? Und woraus bestehen Traktoren und Erntemaschinen? etc. etc.). Das „grüne Hobby“ können sich nur Industrieländer für eine Weile leisten, ist aber keine „nachhaltige“ Lösung für den Rest der Welt. Die Politik erschöpft sich zumindest hierzulande in rückwärtsgewandten Technologien und Verboten. Dass man allerdings der „grünen Wende“ selbst nicht so recht traut, sieht man z.B. daran, wie sehr man um  die Vollendung von Nordstream 2 bemüht ist.

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