Give me a break: Klimadaueralarm führt zur Abstumpfung in der Gesellschaft

 von Kalte Sonne

Ganz Deutschland genießt den Spätsommer 2020. Fast ganz Deutschland. Denn es gibt auch Stimmen, die die letzten warmen Tage noch einmal für ihr Narrativ nutzen. Zu diesen Stimmen gehört u. a. Professor Stefan Rahmstorf. Der twitterte das Bild der Wettervorhersage für den 15.09.2020. Warum nur? Nun ist Wetter kein Klima, das sollte Rahmstorf eigentlich wissen. Er weiß es auch, wie seine Antworten unter dem Tweet belegen. Das Spätsommerwetter 2020 muss einfach nur hinhalten, um noch einmal die These vom nahen Ende zu postulieren.

Prompt kommen Tweets, die das Herauspicken eines Tages nicht für sinnvoll halten, vor allem nicht von jemandem, der sich mit Klimafolgenforschung beschäftigt. Wichtig ist anzumerken, dass es sich um Stimmen handelt, die den Klimawandel nicht bestreiten, auch keinen menschengemachten. Dazu gehört Jörg Kachelmann aber auch Daniel Rüd oder Fabian Ruhnau von Kachelmannwetter. Letzterer veröffentlich regelmäßig Daten zur Temperaturentwicklung.

Ob Rahmstorf im eher kühlen Juli 2020 auch Wettervorhersagen getweetet hat?

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BP ruft den Peak Erdöl aus. Der Höhepunkt der Ölförderung liegt demnach hinter uns. Das Unternehmen gibt seine Sicht auf die Entwicklung in Sachen Energie für die nächsten Jahre ab. Laut WELT gibt BP einen Ausblick auf einen Zeitraum von 30 Jahren, und da wird sich laut BP der Anteil fossiler Brennstoffe am Energiemarkt halbieren. BP rechnet zukünftig mit einem Mix aus vielen Energieträgern, zu denen auch Kernenergie gehören soll, deren Bedeutung sogar steigen soll. Die eigene Zukunft sieht das Unternehmen u. a. im Betrieb von Windkraftparks und Elektromobilität.

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Die Posse um eine mögliche Abschaltung des Kohlekraftwerkes Moorburg geht weiter. Gegensätzlicher können Positionen kaum sein. Während der Grüne Umweltsenator von Hamburg, Jens Kerstan, schon jubelt, sieht der parteilose Wirtschaftssenator Michael Westhagemann die Sache etwas anders. Weiterlesen in der WELT.

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In Klixbüll in Nordriesland wird die Stromerzeugung über Windkraftdrachen erprobt. Wie bei einem Jojo wird ein auf- und absteigender Drachen benutzt, um Strom zu gewinnen. Der NDR hat einen kurzen Bericht zu den Versuchen im Höhenwind Strom zu erzeugen. Die Betreiber gehen von deutlich geringeren Umweltbelastungen aus. Schattenwurf oder Lärmbelastung sollen sich beim Betrieb der Drachen, die bis in Höhen von 800 Meter aufsteigen, wo deutlich bessere und vor allem stabilere Windbedingungen herrschen, erheblich geringer sein als bei Windkraftanlagen am Boden. Der Verschleiß ist allerdings höher. Nächstes Ziel ist eine 1 Megawatt Anlange.

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Im gestrigen Blog haben wir vorgerechnet, wie klimaschädlich ein Hund ist. Ein Leser meldete sich nun bei uns und schickte das Foto einer Hundekot-Tüte, die überzeugend darlegt, wie auch Hunde zur nachhaltigen Stromerzeugung beitragen können. Je mehr der Hund rücklings ausscheidet, desto mehr Strom wird produziert. Das sagt wenigstens die Hundekot-Tüte.

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CO2 aus der Luft zu filtern, hört sich zunächst einmal gut an. Axel Bojanowski geht den verschiedenen Methoden auf den Grund und auch warum es speziell in Deutschland sehr große Skepsis gegen technische Lösungen gibt, während Länder wie die Schweiz andere Wege gehe. Der Artikel in der WELT steht hinter einer Paywall.

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Waldbrände in den USA: Forstexperte Peter Wohlleben wurde im Deutschlandfunk dazu befragt. Das Interview mit dem Titel „Der Klimawandel trifft auf ramponierte Wälder“ gibt es hier zu lesen.

„Es bräuchte alte Wälder mit viel Biomasse, mit viel Totholz, was nämlich Wasser speichert, was Regenwolken übrigens erzeugt. Das ist eine Forschung ganz aktuell aus Deutschland, aber auch aus Russland, dass Wälder für diese Luftflüsse, für die Wolkenverteilung, für den Regen in der Landschaft eine ganz, ganz maßgebliche Rolle spielen. Und wenn ich Wälder ramponiere, ausräume, dann heizt sich das Lokalklima auf, unabhängig vom Klimawandel. Es wird trockener. Und wenn dann der Klimawandel noch dazu kommt – die meisten Feuer sind ja menschengemacht, in dem Fall waren es, glaube ich, überwiegend Blitzeinschläge –, dann findet das Feuer natürlich ganz leicht Nahrung in diesen ausgetrockneten ehemaligen intakten Ökosystemen.“

Es wäre sicherlich spannend zu erfahren, was Wohlleben zu dem Thema Windkraftanlagen in Wäldern meint. In dem Interview moniert er die Zerschneidung von Wäldern, die Wasserkreisläufe unterbricht. Genau das passiert aber durch den Bau von Zuwegungen zu Windkraftanlagen.

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Als Antwort auf einen Aufruf der Journalistin Sara Schurmann (Journalisten sollten den Klimawandel stärker und eindringlicher thematisieren) hat die Webseite Übermedien den Beitrag des Wissenschaftsjournalisten Ralf Nestler veröffentlicht. Dieser wehrt sich klar gegen die schrillen Töne einiger Journalisten und gegen den Aufruf zu noch mehr Dramatik. Brauchen wir wirklich immer neue Eskalationsstufen? Nein sagt Nestler und zeigt auf das Abstumpfen beim Leser. Am Ende bleiben ja auch keine Superlative mehr übrig. Was folgt auf die Klimakatastrophe? Es ist eigentlich schon die Spitze. Ähnlich sieht es bei der Eskalation vom Klimawandel zu Erderhitzung aus. Danach kann es kaum noch was geben.

„Man sollte hinzufügen: Derartige Begriffe schrecken zunächst auf, doch dieser Effekt verschwindet mit der Zeit, weil man sich daran gewöhnt. „Erderhitzung“ dürfte in 20 Jahren niemanden mehr schrecken, die nächste Eskalationsstufe müsste her.“ […] „Das Problem bei solchen Begriffen, einschließlich „Klimakrise“ ist, dass sie nicht nur beschreiben, sondern zugleich bewerten. Das wirkt, wenn es etwa um einen Bericht aus der Klimaforschung mit objektiven Messungen geht, bestenfalls schräg.“

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